Freitag, 22. Juli 2011

Bali/Lombok

Wir (Nicole und ich) waren beide sehr glücklich über unser gegenseitiges Wiedersehen. Immerhin waren wir rund sieben Monate “getrennt” voneinander. Bali war ein guter Ort dafür.

:-)
Die ersten drei Nächte auf Bali verbrachten wir im eher etwas ruhig gelegenen Padang Bai. Von diesem Ort erkundeten wir mit dem Motorrad ein paar Tempelanlagen im Osten Balis. Da gab es Tempel mit Fledermäusen, Tempel mit Affen, Tempel auf dem Berg, Tempel mit sprudelnden (heiligen) Quellen etc. Ich weiss schon gar nicht mehr wie diese Tempel alle heissen und für die Leser dieses Blogs wäre eine komplette Auflistung der besuchten Tempel wahrscheinlich auch etwas langweilig. Tatsache ist, dass auf Bali sehr viele Tempel zu sehen sind, ja teilweise hat man sogar das Gefühl, dass die Dörfer/Städte auf Bali nur aus Tempelanlagen bestünden. Wie wir gesehen haben wird Bali nicht zu unrecht die “Götterinsel” genannt. Der Hinduismus wird von den Balinesen tagtäglich aktiv gelebt. Dies ist sicher der Hauptgrund, warum diese Insel so einzigartig ist. Hier ein paar Eindrücke von unserer Motorrad-Tempeltour:

Tempel...
...Tempel...
...Tempel...
...Tempel.
Natürlich gibt es auch eine andere, sehr unschöne Seite von Bali. Die Insel ist bekanntlich das „Touristenziel Nummer Eins“ in Indonesien und steht auch weltweit ganz weit oben auf der Liste der Ferienhungrigen. Deshalb gibt es auch einige mit Resorts zugepflasterte Küstenabschnitte und Dörfer, die sicherlich nichts mehr mit dem Ursprung Balis zu tun haben. Ja, an gewissen Orten gehen sogar die Indonesier unter zwischen den vielen Touristen. Aber wenn man diese Orte meidet, kann man noch das ursprüngliche Bali finden – irgendwo im Hinterland oder in kleinen Fischerdörfern.

Gunung Agung
Von Padang Bai nahmen wir die Fähre zur Insel Lombok. Die ersten zwei Nächte verbachten wir in Senggigi in einem einfachen Guesthouse direkt hinter der Moschee. Um fünf Uhr morgens wurden wir somit jeweils ziemlich unsanft geweckt. Von diesem Zeitpunkt an war für rund eine Stunde nicht mehr an Weiterschlafen zu denken – naja, zwei Nächte waren definitv genug, da es ohnehin nicht allzuviel zu sehen gab.

Ein Highlight in Lombok waren sicherlich die drei Gili-Inseln im Nordwesten vor der Küste. Ganze sechs Nächte verbrachten wir auf der ruhigsten der drei Inseln “Gili Meno”. Der Strand, das Meer und die Schnorchelmöglichkeiten waren wirklich paradiesisch. Die Insel kann man in gemütlichen 1 ½ Stunden zu Fuss umrunden. Es gibt keinen störenden Verkehr und die „Barfuss- und Badehosekultur“ lädt zur Entspannung ein. Obwohl der Zustand des Korallenriffs nicht allzu gut war, gab es bei den Schnorchelausflügen viele Schildkröten und andere Fische zu sehen. Wir unternahmen auch einen Tagesausflug auf die nächstgelegene Insel “Gili Trawangan”. Auch diese Insel wäre schön, wäre sie doch nur nicht so stark touristisch entwickelt. Es handelt sich hierbei um die populärste der drei Gili-Inseln. Wir waren dann am Abend wieder froh, nach Gili Meno – wirklich eine Oase der Ruhe – zurückkehren zu können.

Gili Meno
Unser letzter Halt auf Lombok machten wir in Kuta. Dieser Ort ist keinesfalls mit Kuta in Bali zu verwechseln und schon gar nicht damit vergleichbar. Momentan ist Kuta noch ein eher ruhiges Fischerdorf mit einigen Guesthouses und nur wenigen teuren Hotels. Doch dies wird sich in den kommenden Jahren ändern, da ausländische Investoren an den sagenhaften Stränden in und um Kuta grosse Resorts errichten. Ausserdem soll 2012 ein internationaler Flughafen in Lombok (ganz in der Nähe von Kuta) eröffnet werden. Kuta wird also nicht mehr lange so ruhig bleiben, wie es momentan noch ist. Mit einem Motorrad unternahmen wir einen Ausflug zu den weissen Stränden um Kuta, sowie zu einem “Sasak-Village”, wo wir etwas ueber das ursprüngliche Leben der Menschen im Süden von Lombok erfahren durften.

Kuta (Lombok)
Nach unserem Lombok-Aufenthalt nahmen wir wieder die Fähre zurück nach Bali, wo wir einen dreitägigen Stopp in Ubud einlegten. Neben der Besichtigung weiterer Tempelanalgen (sozusagen die Hauptbeschäftigung auf Bali), unternahmen wir eine Fahrt durch die unvergesslich schönen Reisterrassen in die Region um den Vulkan “Gunung Batur”. Dieser Vulkan befindet sich inmitten eines riesengrossen Kraters, welcher teilweise mit einem Kratersee gefüllt ist - eine sehr dramatische Szenerie. Leider nerven diese “Möchtegern-Trekkingguides” in dieser Region ein bisschen, so dass wir den Vulkan schlussendlich doch nicht erklimmten und uns auf eine Motorradtour entlang des Kraters beschränkten. Das Wetter war ohnehin nicht allzu prächtig.

Bali dance-performance
Reisterrassen
Die letzten Tage in Indoniesien verbrachten wir auf Nusa Lembongan – eine kleine, eher ruhigere Insel vor der Südküste von Bali. Die Insel ist vor allem für seine Tauchgründe und die Surfwellen bekannt. Ach ja, und jeder zweite Einwohner scheint hier Seegras-Farmer zu sein. In den sehr strömungsreichen Gewässern rund um Lembongan tummeln sich - nebst den üblichen Rifffischen - Mantarochen, Modfische und Haie, also eine sehr vielversprechende Palette von Grossfischen. Bei unseren Schnorchel- und Tauchausflügen haben wir jedoch lediglich einen Mantarochen vom Boot aus gesehen. Wir mussten feststellen, dass es wohl daran lag, dass zu viele Boote, Taucher und Schnorchler nach diesen „Riesen der Meere“ Ausschau hielten. Die Tauchgänge waren aber trotzdem sehr schön, mit guten Sichtweiten, schönen Korallen und doch eher herausfordernden Strömungen – langweilig wurde es also nicht unter Wasser.

Mit rund zwei Monaten verbrachte ich eine lange Zeit in Indonesien. Grund genug, um ein Fazit zu ziehen. Eines vorweg: Indonesien ist ein Land, in das ich sicherlich wieder einmal zurückkehren werde. Der Inselstaat ist riesengross und hat sehr viel zu bieten. Von aktiven und nichtaktiven Vulkanen über Dschungel bis hin zu farbenprächtigen und extrem fischreichen Korallenriffen gibt es viele Attraktionen in freier Natur zu erleben. Auch kulturell gibt es einiges zu entdecken. In den einzelnen Regionen haben sich jeweils ganz eigene Kulturen entwickelt. Diese sind teilweise so verschieden, dass man das Gefühl hat, man reise in ein anderes Land, obwohl man bloss auf eine andere Insel „wechselt“. Da es noch viele unberührte Ecken gibt, kann das Reisen in Indonesien auch sehr spannend sein. Die Menschen sind sehr freundlich und meist sehr offen. Einzig in den Touristenorten haben es die Einheimischen oftmals auf das Portemonnaie der Touristen abgesehen, so dass teilweise horrende “Touristenpreise” verlangt werden, die man nicht einmal mit hartnäckigem Feilschen auf (für die Region) realistische Preise herunterhandeln kann. Aber egal, preiswert ist es in Indonesien (auch dann noch ) allemal.

Sonnenuntergang (Lombok)

Freitag, 1. Juli 2011

Auf dem Feuerring

Von Surabaya aus startete ich meine Vulkanexpedition durch eine der geologisch aktivsten Gebiete der Erde. Surabaya im Osten Javas ist die zweitgrösste Stadt Indonesiens (nach Jakarta). Allerdings ist Surabaya nicht allzu interessant zu besichtigen - (zu) viel Verkehr, viele Häuser und etliche Shopping-Malls. Trotzdem musste ich "transithalber" eine Nacht in dieser Stadt verbringen, bevor ich mit Zug und Bus zum vielleicht bekanntesten Vulkan Indonesiens "Bromo" reiste.

Etwa sieben Kilometer vor Cemoro Lawang - dem Ausgangspunkt für die Wanderung zum Bromo-Vulkan - wollte der Busfahrer nicht mehr weiterfahren und sagte mir "bus finish here". Er zeigte mir ein Hotel und meinte, ich solle da übernachten - Touristenfalle! Nach langen Diskussionen und einem "Sitzstreik" im Bus ist er schlussendlich dann doch zwängelnd nach Cemoro Lawang gefahren. Natürlich hatte er keine Freude, dass er sich nun die Kommission vom Hotel ans Bein streichen konnte. Die Bromo-Region ist ein grosses Touristenmagnet und alle versuchen, die wenigen individuell reisenden Touristen irgendwie in eine "package tour" einzuschleusen. Schätzungsweise 90% der Bromo-Besucher waren mit einer solchen (etwas stressigen) Tour unterwegs. Deshalb ist jeden Tag von etwa vier bis zehn Uhr morgens die Hölle los in Cemoro Lawang - diesem kleinen, netten Bergdorf am Rande der riesigen Caldera der Bromo-Vulkanregion. Wenn man allerdings nicht auf einer solchen Tour unterwegs ist und die Region um Bromo ausserhalb dieser Uhrzeiten besucht, herrscht gähnende Leere und eine magische Stille, so dass ich Bromo doch noch geniessen konnte.

Bromo 1
Balinesischer Tempel am Fusse des Vulkans

Der Vulkan Bromo ist vor einigen Monaten ausgebrochen und spukt momentan alle paar Minuten eine grosse Aschewolke aus. Das sonst sehr grüne Gebiet um den Vulkan hat sich deshalb in eine Aschewüste verwandelt und war somit vornehmlich grau. Die Asche wird höchstwahrscheinlich erst wieder mit der nächsten Regenzeit verschwinden. Trotzdem liess ich es mir nicht entgehen, bewaffnet mit einer Schutzmaske, den Krater des Vulkans hinaufzusteigen. Die Aussicht war toll, doch noch viel beeindruckender war die deutlich spürbare Aktivität des Vulkans: Im Krater grollte und donnerte es und die Asche flog mehrere hundert Meter in die Höhe. Teilweise flog noch Lava in die Luft, allerdings bis weit unter den Kraterrand. Ich fragte mich, wie sicher es eigentlich ist, sich dort aufzuhalten - einige Indonesier schüttelten bedenkenlos den Kopf und meinten "no problem", andere hingegen sagten, sie würden momentan nicht auf den Kraterrand hinaufklettern. Obwohl der Kraterrand offiziell für Touristen "geöffnet" war, weiss man ja nie hier in Indonesien... Am nächsten Tag habe ich ein paar kleinere Wanderungen zu Aussichtspunkten unternommen, wobei die Bedingungen mit der vielen Asche in der Luft nicht sehr optimal dafür waren.

Bromo 2
Bromo 3

Der zweite Teil meiner Vulkan-Expedition führte mich zum Vulkan "Ijen". Auch dieser Ort wird fast ausschliesslich von Tour-Gruppen besucht und auch hier hat man ausserhalb der "Ansturmzeiten" (die ebenfalls am Morgen früh sind) seine Ruhe. Die Anfahrt nach Sempol (Ausgangspunkt für Ijen) war mit dem Lokaltransport doch eher "speziell": In einem 14-Plätzer Minibus fuhr ich mit 22 anderen Indonesiern in einem extrem langsamen Tempo die schlecht-beschaffene Strasse den Berg hinauf. Für die rund 50 Kilometer von Bondowoso brauchten wir etwa dreieinhalb Stunden dafür. Der Fahrer liess es sich auf halbem Weg dann auch nicht nehmen, eine Mittagspause einzulegen (und die Passagiere im Minibus warten zu lassen), um sein Nasi Goreng zu futtern. Aber diese schmerzvolle Fahrt hatte dann auch irgendwann einmal ein Ende (Ich war übrigens sehr froh, dass mich zwei Indonesier mit einem Pick-Up am Tag nach der Ijen-Besichtigung wieder nach Bondowoso fuhren).

Von Sempol aus bin ich mit einem Motorrad zum Fusse des Ijen gefahren, von wo ich die restlichen drei Kilometer steil bergauf zum Kraterrand gelaufen bin. Die Wanderung führte durch einen netten Dschungel in luftige Höhen, von wo ich eine spektakuläre Aussicht auf den türkisfarbenen Kratersee und die Berg- und Vulkanlandschaft rund um Ijen geniessen konnte. Doch viel mehr hat mich etwas anderes beeindruckt: Im Krater des Vulkans bauen Minenarbeiter mit einfachsten Mitteln Schwefelgestein ab. Sie füllen dabei ihre geflochtenen Bambuskörbe mit etwa 80-90 Kilogramm Schwefel und laufen damit den steilen Krater hoch und die drei Kilometer zum Fusse des Vulkans hinunter. Rund vier Stunden braucht ein Minenarbeiter, um seine Ladung ins Tal zu transportieren und verdient dabei umgerechnet rund sechs Rappen pro Kilogramm! Die Arbeiter sind meist in einfachen Gummistiefeln oder gar Flip-Flops unterwegs und tragen oft keine Schutzmaske, um sich gegen den atemraubenden Schwefelrauch zu schützen. Ich habe noch nie eine solch harte und vollkommen verrückte Arbeit gesehen, die diese Menschen in Ijen verrichten - absolut "crazy".

Kawah Ijen
Schwere Last

Nach meiner Vulkanexpedition auf Java nahm ich die Fähre nach Bali, wo ich mich ein paar Tage in Pemuteran von der Asche- und Schwefelluft erholte. Da sich gleich in der Nähe der Insel Menjangan (bei Pemuteran) ein Meeresnationalpark befindet, war ich an einem Tag auf "Tauchgang". Es war ganz schön, aber nicht mit den super Tauchplätzen, die ich in Sulawesi gesehen habe vergleichbar.

Pulau Menjangan (Bali)
:-)



Montag, 20. Juni 2011

Sulawesi - der Norden

Lange habe ich es mir überlegt, ob ich die ganze Transsulawesi-Route überland bestreite oder von Makassar in den Norden nach Manado fliege. Nachdem ich von anderen Reisenden gehört habe, wie lange und beschwerlich die Reise in den kleinen, engen Bussen ist, habe ich mich entschieden, nach Manado zu fliegen und dort etwas mehr Zeit zu verbringen.

In Manado angekommen, hat es in Strömen geregnet. Das etwas veränderliche Regenwetter hat sich bis heute leider nicht allzu stark gebessert. Es gab zwar einige sonnige Abschnitte, aber nie wirklich stabiles sonniges Wetter. Gemäss Klimastatistiken sollte jetzt "Trockenzeit" sein mit wenig Regen und viel Sonne - aber anscheinend ist das alles nur graue Theorie. Das weltweite Klima befindet sich ja bekanntlich "im Wandel".

In Manado habe ich die Fähre nach Bunaken Island genommen. Die Überfahrt dauerte vielleicht eine Stunde - die Insel ist also nicht weit vom Festland und damit von der Grossstadt Manado entfernt. Dies ist zugleich auch das Verhängnis dieses wundervollen Meeresschutzgebietes rund um die Insel Bunaken. Bei der Ankunft auf der Insel sah ich zuerst sehr viel Abfall. Diese Abfallberge werden bei schlechtem Wetter von Manado mit der Strömung an die Südseite der Insel Bunaken getragen. Obwohl die Einwohner auf der Insel versuchen, die Abfallberge zu beseitigen bzw. zu verbrennen, scheint die Situation ausweglos, denn es wird immer wieder zusätzlich Abfall aus der Grossstadt angeschwemmt. Auf der Nordseite der Insel sieht es um einiges besser aus, deshalb habe ich mich auch entschieden, dort in ein Bungalow einzuchecken.

The jungle meets the ocean
Unschöne Realität

Wie diese Beschreibung bereits vermuten lässt, muss man definitiv nicht nach Bunaken gehen, wenn man einen netten Strand sucht. Die Hauptattraktion liegt vielmehr unterhalb der Meeresoberfläche, rund 100 Meter vom Strand bzw. Bungalow entfernt: Dort befinden sich wunderschöne farbenprächtige Korallengärten mit steilen Wänden, die rund 50 Meter in die Tiefe reichen. An diesen "Drop-Offs" tummeln sich grosse und kleine Fische sowie Meeresschildkröten. Asienweit gehört der Bunaken Marine Nationalpark zu den besten Tauchgründen. Die Korallen sind extrem vielfältig und in einem Top-Zustand. Dies merkte ich auch gleich, als ich das erste Mal am Hausriff schnorchelte - mir blieb der Atem stehen als ich über diesen Korallenteppich schwebte und die unzähligen Fische sah. Natürlich wollte ich auch ein paar Tauchgänge machen, wodurch ich bisher nie gesehenes Makroleben wie Miniseepferdchen, Blauringoktopusse oder kleinste Krebse und Krabben bestaunen konnte. Dies neben Grossfischen wie Napoleons, Tunfischen, Schildkröten, Barakudas, Fledermausfischen etc. Umso mehr war es dann wiederum ein trauriger Anblick, als ich jeweils wieder auftauchte und den Abfallstrand ansehen musste. Dies ist sehr schade und wegen der rasanten Entwicklung in der Stadt Manado momentan kaum abwendbar.

Koralle

Von Bunaken Island brachte mich ein Fischer auf seinem kleinen Boot zur Insel Siladen. Dort angekommen, blieb mir nichts anderes übrig, als bei "Tanta Martha" (ein "Homestay" auf der Insel) die kommenden drei Nächte zu verbringen. Ausser diese vier Bungalows gibt es nämlich nur noch Luxusunterkünfte auf dieser Insel. Elektrizität gab es nur von 18.00 bis 22.00 Uhr und Wasser nur aus Kübeln. Dafür war das Bungalow direkt am Strand und einer der schönsten Korallengärten der Welt gerade vor der Haustür - "was will man mehr", fragte ich mich. Die Zeit auf Siladen war extrem relaxed - die Einwohner im Dorf auf der Insel scheinen nicht viel mehr zu machen als zuzuschauen, wie die Tage vorüberziehen. Nicht einmal über die Abfahrtszeit der Fähre, welche ein Mal pro Tag nach Manado geht, sind sich die Bewohner der Insel einig. Nach mehrmaligem Fragen hatten wir sämtliche Abfahrtszeiten zwischen 7.00 Uhr und 11.00 Uhr im Angebot. Ich dachte nur wieder "weshalb können die Asiaten nicht einfach nur sagen, sie wissen es nicht, wenn sie keinen blassen Schimmer haben". (Die Fähre ging dann um 9.15 Uhr).

"Simple Life" auf Siladen
Fischer auf Siladen

Weiter ging es dann zum nahe von Manado gelegenen Tangkoko-Nationalpark. Dieser Nationalpark besteht aus einem Urwald, welcher bis ans Meer bzw. den schwarzen Vulkan-Sandstrand reicht. Im Nationalpark gab es die kleinen affenähnlichen "Tarsier" zu sehen. Mit einem Ranger gingen wir diese kleinen Kobolde suchen, sobald es dunkel wurde - diese Tiere sind nämlich nachtaktiv. Es war sehr lustig anzuschauen, wie schnell diese "Wesen" von Ast zu Ast bzw. von Baum zu Baum hüpften und ihren Kopf mit den Kulleraugen um fast 360 Grad drehten. Am nächsten Tag war ein Trekking mit dem Ranger durch den Urwald geplant, um die dort lebenden Makaken, Hornbills und den Kuskus aufzusuchen. Leider musste ich das Trekking nach wenigen Metern abbrechen, da ich wieder einmal eine Magenverstimmung hatte und deshalb den ganzen Tag energielos im Bett lag. Tja, so geht es halt ab und zu in Asien...

Tarsier

Die letzten drei Tage verbrachte ich in Tomohon. Dies liegt in luftiger (und kühler) Höhe, etwas oberhalb von Manado am Fusse des aktiven Vulkans "Gunung Lokon". Ein Highlight war der "Tomohon Makabre Market". Ja, unter diesem Namen ist dieser Markt - zumindest unter den "Travellern" - bekannt. Was es hier zu sehen gab, war tatsächlich etwas makaber. Die "Fleischabteilung" am Markt hatte alles Mögliche im Angebot: Schweinskopf, Hunde, Ratten und sogar Python "am Stück" waren so die Highlights für den westlichen Verstand. Jedoch war der Anblick der Hunde, welche zum Schlachten bereit standen, nicht sehr schön. Aber eben: "Andere Länder - andere Sitten".

Ratten für "Gourmets"

Der eigentliche Grund, warum ich nach Tomohon ging, war die Besteigung des Vulkans Lokon. Dieser Vulkan ist noch aktiv und das sieht man auch. Schwefelhaltiger Dampf steigt beinahe ununterbrochen aus dem türkisfarbenen Kratersee auf. Der Aufstieg zum Krater ging am besten auf einem alten Lavastrom. Das Wetter spielte glücklicherweise gerade mit, so dass ich ein paar nette Fotos von der eindrücklichen Landschaft machen konnte:

Blick in den Krater

Gunung Lokon

Morgen werde ich Sulawesi in Richtung Java verlassen. Die Zeit auf Sulawesi war sehr schön und der Tourismus ist noch nicht so stark entwickelt wie auf Java oder Bali. In den meisten Orten traf ich immer nur eine Handvoll von Reisenden (mit der Ausnahme von Bunaken, das Taucher aus aller Welt anzieht). Ich konnte hier einige kulturelle Erfahrungen machen, die man sonst wahrscheinlich nirgens auf der Welt machen kann und die Einheimischen sind sehr nett und immer offen - auch an das "hello Mister", das man als Tourist etwa 100 Mal am Tag hört, gewöhnte ich mich mit der Zeit...



 

Montag, 6. Juni 2011

Sulawesi - der Südwesten

(ACHTUNG: Dieser Post ist nichts für schwache Nerven)  :-)


In Makassar angekommen, bin ich gleich in einem Bugethotel abgestiegen - tja, es war wortwörtlich eine "Absteige" für umgerechnet nur 8 CHF pro Nacht. "You pay, what you get" - dies traf zumindest auf dieses Zimmer zu... Ich musste wieder mal erfahren, dass es sich lohnt, in solchen Städten etwas mehr für ein Hotelzimmer auszugeben. Und Makassar ist nicht wirklich eine allzu schöne Stadt - viel Verkehr, eine nichtexistente Abfallpolitk, strenge Gerüche und viele Leute. Ich musste feststellen, dass sich nur wenige Touristen in diese Stadt "verirren". So war ich immer im Mittelpunkt, wenn ich durch de Stadt schlenderte - die Leute starrten, lachten, staunten und in den Strassen hörte ich immer wieder "hello Mister, hello Mister".

Nach längerem Suchen habe ich dann doch noch einen Ort gefunden, wo ich den Tag in Makassar verbringen konnte: Das "Dutch Fort" wurde in der Kolonialzeit von den Holländern errichtet und ich fand dort eine renovierte Festungsanlage vor mit schönen Gärten. In einem Hinterhof des Forts habe ich dann auch ein paar Schachspieler kennengelernt, die den ganzen Tag nicht viel anderes machen, als sich gegenseitg zum Schachspiel herauszufordern. So ging es nicht lange, bis mich der erste Indonesier herausgefordert hat. In einem hart umkämpften Spiel habe ich dem guten Mann gezeigt, wie man richtig Schach spielt ;-) Die Einheimischen waren beeindruckt und somit musste ich gleich die nächste Herausforderung annehmen. Der Nachmittag in Makassar war gerettet! Nach dem Schachspiel hat eine Musikgruppe aus Sulawesi eine nette Musikperformance gegeben, so dass ich dann definitiv das Gefühl bekam, mitten in Indonesien angekommen zu sein. Hier ein kurzer Ausschnitt davon:


Nach zwei Nächten habe ich Makassar verlassen und bin nach Pantei Bira gereist - dies ist ein Strand etwa 180 Kilometer in südöstlicher Richtung von Makassar gelegen. Ich wusste, dass das indonesische Transportnetz nicht sehr gut ausgebaut ist, dass ich aber neun Stunden für diese Fahrt einplanen muss, habe ich auch erst erfahren, als es soweit war... in einem sogenannten Kijang (eine Art Vierrad-Jeep) bin ich, eingequetscht zwischen zehn Indonesiern, von Makassar losgefahren. So ungefähr 50 Kilometer vor dem Endziel meinte der Fahrer, ich müsse auf ein anderes Transportmittel - ein sogenanntes "Bemo" - wechseln. Dies war überhaupt nicht so vereinbart - ich hatte das erste Mal das Gefühl, dass es vielleicht doch schlau wäre, ein paar Worte Indonesisch sprechen zu können. Glücklicherweise habe ich mir schon in Neuseeland ein Lonely Planet-Taschenbuch "Indonesisch-Englisch" gekauft - damit sollte ich über die Runden kommen...

In Pantei Bira angekommen, nahm ich ein Bad im Meer und habe gemerkt, dass sich die Anreise gelohnt hat - glasklares Wasser, schneeweisser, weicher Sand sowie gute Schnorchel- und Tauchmöglichkeiten. Ich blieb dann gleich ein paar Nächte dort und habe mir auch einen Tauchausflug gegönnt. Der Tauchgang war einer der besten seit langem, jedoch liessen die Sicherheitsvorkehrungen des (einzigen) Tauchbetreibers in Pantei Bira viel zu wünschen übrig. Deshalb würde ich kein zweites Mal mit diesem Betreiber tauchen gehen. Wir sahen bei den beiden Tauchgängen mehrere (ziemlich aktive) Riffhaie und der Korallenbewuchs an der Steilwand war sagenhaft - es gab etliche Grossfische zu bestaunen. Das Tauchgebiet befindet sich in der Nähe eines tiefen Meeresgrabens, weshalb in diesen Gewässern auch Hammerhaie, Walhaie und Mondfische zu sehen sind - aber dazu braucht es eine gewisse Portion Glück. Pantei Bira ist übrigens sehr bekannt für seine Bootsbauer, die für ihre Boote nur Holznägel verwenden, welche sich dann im Wasser ausdehnen und das Boot fest zusammenhalten - ein rostfreies Boot sozusagen!

Pantei Bira
Bootsbau in Pantei Bira

Über Makassar bin ich dann nach Rantepao gefahren. Des liegt in den Bergen im Gebiet "Tana Toraja" und ist ein sehr spezieller Ort. Mein Reiseführer bringt es genau auf den Punkt, weshalb diese Region so speziell sein soll: "A trip to Tana Toraja is like a cultural documentary brought to life". Besser könnte ich es auch nicht umschreiben. Das Gebiet hat seine eigene Kultur innerhalb von Sulawesi entwickelt. Die Sprache der Menschen unterscheidet sich fundamental von der indonesischen Sprache, die Leute sind zu 90% Christen und der Baustil mit den schiffförmigen Häusern ist sowas von speziell. Doch dieser Teil von Sulawesi ist vor allem aufgrund der berühmt-berüchtigten Beerdigungszeremonien sehenswert. Diese stammen aus einer Zeit noch weit bevor das Christentum in Tana Toraja durch die Holländer eingeführt wurde. Natürlich wollte ich auch unbedingt eine Beerdigungszeremonie - oder zumindest einen Teil davon - sehen. Um zu verstehen, was bei einer Beerdigungszeremonie abgeht, ist es unbedingt erforderlich, einen lokalen Führer zu engagieren. Dieser kann auch die Kontakte zu Familien der Verstorbenen herstellen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich gleich am zweiten Tag an einer solchen Zeremonie teilnehmen konnte.

Toraja-Dorf
Torajanischer Baustil

Die Zeremonie findet meist eine längere Zeit später nach dem Ableben der entsprechenden Person statt. Bis zu dieser Zeremonie wird die verstorbene Person nur als "Krank" angesehen. Das heisst, der Körper wird im Haus der Familie aufbewahrt und konserviert - dies kann sich teils über mehrere Jahre hinziehen. Die Länge dieser Periode wird vor allem dadurch bestimmt, wie lange die Familie sparen muss, um sich die teure Beerdigungsfeier leisten zu können. Auch die Feier muss organisiert werden und alle Familienmitglieder müssen anwesend sein. Wenn es dann mal soweit ist, kann die eigentliche Zeremonie stattfinden. Am ersten Tag gibt es eine farbenfrohe Prozession, am zweiten Tag empfängt die Familie etliche Gäste und am dritten Tag findet dann schliesslich eine Tier-Opfergabe statt. Es werden viele temporäre Gebäulichkeiten - nur für diese Feier - errichtet. Da in Tana Toraja ein strenges Kastensystem herrscht, hängt das Ausmass einer Beerdigungszeremonie sowie die Anzahl der Büffel und Schweine, die geopfert werden, stark von den finanziellen Möglichkeiten der Familie ab.

Ich habe mit meinem "Guide" vereinbart, dass er mich um sieben Uhr morgens abholt, um zur Feier zu fahren. Ich konnte dem letzten Tag einer Beerdigungszeremonie (Tier-Opfergabe) beiwohnen. Die Szenerie, die sich mir irgendwo mitten im Busch auf einem kleinen Hügel bot, war sehr sonderbar. Die Familie des Verstorbenen hat drei Büffel sowie etwa ein halbes Dutzend Schweine für die Tier-Opfergabe zur Verfügung gestellt. Dies war vergleichsweise wenig, da diese Familie dem unteren Mittelstand angehörte. Für meine Nerven war as jedoch schon mehr als genug. Auf einem speziell dafür hergerichteten Platz wurden die Kehlen der Büffel und Schweine aufgeschnitten. Die Tiere wurden auf der Stelle ausgenommen und zu Kleinteilen verarbeitet. Die Büffel wurden zuerst gehäutet und der Kopf abgeschnitten (die Büffelhörner werden jeweils an die Häuser gehängt und sind hier wichtiges Statussymbol). Das Fleisch wird immer nach einem speziellen Verteilschlüssel aufgeteilt. Die Schweine werden sofort verarbeitet und gegessen. In Bambusrohren wird meist das Blut der Schweine aufgefangen und zusammen mit dem Schweinefleisch, Kokosmilch und etwas Gewürz direkt auf dem Feuer gekocht. Als mir etwas von dieser "Köstlichkeit" angeboten wurde, habe ich bestimmt aber freundlich abgelehnt. Ich war dann (zumindest für den Rest des Tages) Vegetarier. Als ich auf dem Platz die Kinder mit den Hufen der Büffel spielen sah, war die Verwirrung in meinem Kopf perfekt und ich hatte einen regelrechten Kulturschock, was ich zu diesem späten Zeitpunkt meiner Reise nicht mehr erwartet hätte. Hier ein paar Eindrücke, die jedoch das Erlebte nicht ansatzmässig beschreiben können (ich verzichte darauf, die "ungemütlichsten Bilder" zu veröffentlichen).

"Special Toy"
Schwein auf dem Weg zum Schlachtplatz

Der Führer hat mir natürlich die Geschichte sowie den Grund für diese Opfergaben erklärt. Die Torajaner glauben, dass die Geister der Tiere den Verstorbenen ins Paradies - ein ganz spezieller Ort im Süden von Tana Toraja - begleiten. Diese Geister kommen danach zurück auf die Erde, um die Familie zu beschützen. Nun verstand ich auch, weshalb diese Tier-Opfergaben so wichtig sind und die Familien so lange sparen und planen, um die Beerdigung durchführen zu können. Ohne "richtige" Beerdigung wird viel Unglück die Familie des Verstorbenen heimsuchen - so jedenfalls die Aussagen meines Guides. Schwer beeindruckt und etwas schockiert verliess ich dann den Schauplatz der Zeremonie.

Die Gräber der gehobeneren Bevölkerungsschicht in Toraja werden in Fels gehauen und eine Holzpuppe (die dem Verstorbenen ähnlich sein soll) wird in den Fels gesetzt. Es gibt hier in Toraja auch ganze Höhlen, die zu Familiengräber umfunktioniert wurden. Da die Särge meist schon verrottet oder auseinandergefallen sind, kommen in diesen Höhen haufenweise Knochen und Schädel zum Vorschein - schon etwas "grauslig". Beeindruckend fand ich aber die Geschichte der "Baby-Graves". Verstorbene Babys, welche noch keine Milchzähne hatten, wurden bis vor einigen Jahrzehnten in einem von Menschenhand ausgehöhlten Baum "begraben" (oder wie soll man dazu sagen...?). Man glaubte, dass die Babys mit dem Baum "mitwachsen" und das weisse Harz (welches Milch darstellen soll) die Babys nährt.

Toraja-Felsengräber

"A trip to Tana Toraja is like a cultural documentary brought to life" - ich hoffe, ich konnte ein wenig näher bringen, weshalb dies so stark auf Tana Toraja zutrifft. Allerdings muss man Tana Toraja mit all den Menschen und  Eindrücken erlebt haben, um nur ansatzmässig verstehen zu können, was hier abgeht. Schwer beinruckt verlase ich morgen Tana Toraja und begebe mich (laaaaaaangsam - denn schnell geht hier nix) in den Norden Sulawesi's.

Trekkingtour durch Reisterrassen